Eine ganze essenzielle Frage – die sich fast alle Illustratoren irgendwann stellen – ist:

„Habe ich eigentlich einen Stil?” Und wenn sie der Meinung sind, dass es nicht so ist, dann kommt gleich die nächste Frage hinterher: „Wie finde ich denn meinen eigenen Stil?”

Und das Spiel kannst du so lange treiben, bis es dich irgendwann wahnsinnig macht. Denn die krampfhafte Suche nach DEM EINEN Stil, die funktioniert nicht.

Das Lustige ist, dass alle um uns herum viel früher als wir selbst erkennen, dass wir scheinbar doch einen haben. Denn ja, er schlummert in uns. Und ja, er ist da. Am Anfang nicht so eindeutig (für uns selbst) wie später, aber er ist da. Auch wenn jemand partout sagen möchte „Ich habe gaaaanz viele Stile!”… In jeder Variation scheint etwas Gemeinsames durch.

Warum wollen Illustratoren eigentlich diesen einen Stil finden?

Ist es eine andauernde Suche nach dir selbst? Glaubst du, dass dann plötzlich die Aufträge vom Himmel regnen? Dass dann alles leichter wird?
Vielleicht ja. Vielleicht nein.

Vorteile des EINEN Stils:

• Du wirst sofort als Illustrator dieser oder jener Illustration erkannt. Ohne dass dein Name daneben steht.

• Die Kunden wissen ganz genau, was sie von dir bekommen. Großer (!) Vorteil.

• Du musst das Rad nicht ständig neu erfinden.

• Du wirst richtig gut in einer Sache, statt überall nur solala und bleibst somit Kandidat Nr. 1 bei allen, wenn genau das gesucht wird.

Nachteil des EINEN Stils:

• Wenn dich Verlag X ständig für Bilderbücher in dem Stil beauftragt und ihr quasi als Team so den Markt   „beherrscht”, wird dich Verlag Y vielleicht nicht unbedingt für den Bilderbuchmarkt beauftragen. Weil du da schon „vergeben” bist in dem Stil.

Wenn du dich dazu entschieden hast, den einen Stil zu finden, dann versteif dich da nicht drauf. Es ist völlig normal ohne den einen sagenhaften Stil zu beginnen. Das war bei mir auch nicht anders. Ich habe alles gemacht. Von der technischen Autozeichnung, über Kinderbücher bis hin zu Landkarten.

Gib dir die Freiheit erst einmal in den Markt als Illustratorin reinzukommen. Es wird sich mit der Zeit von ganz allein herauskristallisieren was du gerne zeichnest und was nicht. Was beim Kunden ankommt und was nicht.

Stilfindung ist ein Prozess der Jahre dauern kann. Ich glaube, bei mir hat es nach acht Jahren “klick” gemacht. Erst da war ich so richtig zufrieden.

Aber: Die Stilfindung endet auch nie. Ja, ich bin zufrieden mit dem was ich jetzt zeichne. Aber das heißt nicht, dass ich das jetzt bis an mein Lebensende so durchziehe. Vielleicht habe ich irgendwann Lust auf Collagen. Dann probier ich das halt mal.

Die großen Maler von früher hatten auch ihre Phasen. Da wurde mal eine Weile alles Blau, dann alles Rot gezeichnet. Wir alle verändern uns mit den Jahren. Lernen dazu. Sehen neue Dinge. Lass es zu!

Wenn du gerade mittendrin steckst im „total verkrampft”. Hör auf! Lass das Papier mal liegen. Und überlege dir was DU gerade richtig gerne zeichnen würdest. Ohne nach links und rechts zu schauen. Hab Spaß. Probiere Neues aus.

Alles andere kommt mit der Zeit von ganz alleine.

P.S. Lust dich mit anderen Illustratoren auszutauschen? Dann schau auch mal in unserer Facebook-Gruppe „Erfolgreich. Illustrator“ vorbei. Eine tolle Community mit vielen Startern – aber auch alten Hasen – die sich unterstützen wo es nur geht. Versuche in deinem öffentlichen Profil irgendwas mit Illustration zu zeigen oder schicke mir vorab eine PN, da wir die Profile alle vor Einlass checken.

Finde als Illustrator deinen eigenen Stil