Eine Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme. Und deshalb wollte ich sie heute mal thematisieren.

Eigentlich könnte ich das Dienstagslernen hier auch schon wieder beenden, denn die Antwort lautet ganz klar „Nein.

Seien wir mal ganz ehrlich, ganz viele Studiengänge wie Grafikdesign, Kommunikationsdesign, Animation, Mediengestaltung, Illustration bringen dir vielleicht Programme wie Photoshop bei, mögen dir neue Zeichen-Techniken nahe legen, usw. … was aber im Normalfall fehlt (und ich hoffe das ändert sich mit der Zeit), ist die Praxis.

Was nützt dir das tollste Illustrations- oder Grafikdesign-Studium, wenn du danach vielleicht ein Logo oder eine mega Illustration hinbekommst, aber keinen Plan von dem eigentlichen Beruf hast? Denn ganz ehrlich: Du kannst noch so toll zeichnen, wenn du keinerlei Plan von Vermarktung, Kundenakquise, Nutzungsrechten und derlei spannenden Dingen hast, wirst du mit Illustrationen keinen Erfolg haben.

Ich bin niemand der ein Talent hat, bei dem den Leuten die Kinnlade runterfällt. Es gibt tausende Illustratoren, die sind viel besser als ich. Aber ich habe meine Nische gefunden: der Kindermarkt. Und da bin ich ganz okay drin. Mein Plus ist, dass ich weiß, wie ich mich vermarkten muss. Das man raus muss, um Leute zu treffen, die einen auch beauftragen können mit tollen Projekten. Kollegen treffen, die einen weiterempfehlen. Ich nutze Social Media, weiß wie man eine vernünftige Buchhaltung macht und wie ich Nutzungsrechte vergebe, damit ich das Geld nicht quasi aus dem Fenster schmeiße.

All diese Dinge sind SO wichtig. Und ganz ehrlich, kaum ein Studium bringt dir das bei.

Mein Kommunikationsstudium hat es nicht. Versteh mich nicht falsch: Mein Studium war super. Ich hatte vorher kaum von Photoshop gehört. Haha. Aber die Denke an der Schule war (damals), dass wir alle danach bestimmt in Werbeagenturen landen. Und da brauch ich den ganzen „Quatsch” wie Buchhaltung, Nutzungsrechte & Co. nicht unbedingt für den beruflichen Alltag. Die haben da extra Abteilungen für.

Aber heute gibt es mehr und mehr, die eben als Freiberufler auf eigene Faust ihren Beruf bestreiten. Und es werden nicht weniger.

Es gibt außerdem auch unendlich viele Quereinsteiger. Die waren vorher Lehrer oder Geologen oder Architekten. Plötzlich merken sie “Das war’s nicht”. Aber gehen sie nochmal studieren? Für gewöhnlich nicht.

All das war übrigens auch DER Grund für mich, meinen Onlinekurs Erfolgreich Illustrator werden zu gründen. Dort geht es eben nicht ums zeichnen, sondern um all die Dinge drum herum. Die unternehmerische Seite.

Um auf den Punkt zu kommen: Alles was zählt ist dein Portfolio. Deine Talent. (und ja, dabei kann ein Studium helfen). PLUS: die ganze Business-Seite. Das unternehmerische denken und danach handeln.

Mich hat in den bald zwölf Jahren noch nie ein Kunde nach meinem Studium gefragt.
Ich hätte auch Auto-Mechaniker lernen können. Es wäre völlig Wurst.

Kunden möchten am Ende eine tolle Illustration sehen für ihr Geld. Und wenn DU ihnen genau das liefern kannst, hast du den Auftrag in der Tasche.

Und glaube mir, selbst wenn du mal gefragt wirst, dann ist das vermutlich eher eine Art um Small Talk anzufangen. Nicht, weil es ausschlaggebend ist. Was nutzt dem Kunden ein toller Abschluss, wenn am Ende die Illustration Mist ist?

Also: Alles was zählt ist dein Portfolio. Um Kunden zu akquirieren. Hmmm… aber wie kommst du noch gleich an die Kunden ran, die dein Portfolio sehen sollen? Da ist sie wieder, die Business-Denke. Kundenakquise ist gefragt. Wurde mir nie beigebracht.
Und ein tolles Portfolio heißt, dass es so richtig rocken muss. Ein paar Bleistift-Skizzen und Strichmännchen reichen da nicht aus. Aber ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass du Zeichen-Talent hast, denn sonst würdest du vermutlich nicht darüber nachdenken Illustration zu studieren.

Hol dir Feedback von Kollegen die schon länger im Geschäft sind, trau dich dein Portfolio auf der Frankfurter Buchmesse Lektoren zu zeigen. Das Feedback kann beim ersten Mal ernüchternd sein (so war es bei mir. Alle Figuren waren viel zu steif), aber auf Feedback kann man aufbauen und sich dadurch verbessern.

Und wenn dein Portfolio rockt, dann kommt eben noch der Marketing-Teil.

Aber ganz ehrlich, wenn du ein bisschen Zeit investierst, dann kannst du dir das auch über Google zusammensuchen. Anders habe ich es damals auch nicht gemacht.

Schau dir unseren Berufsverband – die Illustratoren Organisation – an. Dort gibt es ganz viel Info-Material. Nutze den Blog hier oder unsere Facebook-Gruppe… stelle überall Fragen.

Wenn ich das hinbekomme, kannst du das auch.

Ja, ich habe studiert, aber dort habe ich Photoshop, Indesign und Illustrator gelernt. Nicht das ganze Drumherum. Ich wusste nichtmal, dass ich als Illustratorin Freiberufler bin und nicht Gewerbe. Das hat mir alles Google beigebracht.

Falls du wirklich frisch dein Abi gemacht hast und einfach noch nicht weißt wohin es dich trägt, dann passt so ein Studium vielleicht. Denn man lernt Leute kennen die ähnlich ticken, entwickelt so vielleicht über die (meist drei) Jahre einen Stil. Dann habe ich dir hier unten ein paar Schulen aufgelistet, die reine Illustration als Studiengang anbieten.

Ein paar Illustrations-Studiengänge gibt es hier:
WAM in Dortmund
BTK-FH in Berlin (hier habe ich Kommunikationsdesign studiert. Illustration gab es damals noch nicht als Studiengang)
HTK in Hamburg
HAW in Hamburg
Bild Kunst Akademie in Hamburg
AID in Berlin (die einzigen die auch Themen wie „Existenzgründung, Urheberrecht, Strategien zur Bewerbung“ in ihrem Studiengangablauf stehen haben)
•  du kennst noch eine? Teil sie mir gerne in den Kommentaren mit und ich ergänze die Liste

Wenn du aber bereits genau weißt was du machen willst und die mega Illus in der Mappe hast: spar die drei Jahre und google ein bisschen. Ich wusste Ende des zweiten Jahres ich werde Illustratorin und habe gleich die ersten Aufträge gehabt. Das letzte Jahr hat dann eher gebremst, als gefördert. Einfach weil zu wenig Zeit zum illustrieren nebenher war 😉

Und jetzt lass mich doch wissen: Hast du studiert? Wenn ja, was? Und gab es dort Fächer wie Recht, BWL, Marketing, Social Media, Mappen-Beratung oder Personal Branding Kurse? Oder bist du eine der Glücklichen, die in ihrem Studium alles bekommen hat? Dann bitte (!) lass es mich wissen und ich verlinke die Schule hier sehr gern. Denn sowas muss gefördert werden.

P.S. Lust dich mit anderen Illustratoren auszutauschen? Dann schau auch mal in unserer Facebook-Gruppe „Erfolgreich. Illustrator“ vorbei. Eine tolle Community mit vielen Startern – aber auch alten Hasen – die sich unterstützen wo es nur geht. Versuche in deinem öffentlichen Profil irgendwas mit Illustration zu zeigen oder schicke mir vorab eine PN, da wir die Profile alle vor Einlass checken.

Muss ich studieren, um Illustrator zu werden?
Freebie Checkliste von Johanna Fritz: Wie werde ich Illustrator? Die notwendigen Schritte vom Finanzamt bis hin zum Portfolio.
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