Wir haben Februar. Im Kindergarten hängt die Urlaubsliste aus. Meine beste Freundin fragt mich Nachmittags „Und? Wo fahrt ihr diesen Sommer hin? Habt ihr schon gebucht?”

Ömmm… nein.

Die Frage, die bei uns Selbstständigen (egal welche Branche) doch immer mitschwingt, ist:

„Kann ich mir den Urlaub wirklich leisten?”

 

Und damit meine ich nicht, ob du die Flüge ans andere Ende der Welt zahlen kannst, sondern auch, ob du dir leisten kannst zwei, drei Wochen nicht zu arbeiten?

Denn anders als beim „normalen” Arbeitnehmer, bekommen wir ja Ende des Monats nicht (auch mit  drei Wochen Urlaub) ein Gehalt aufs Konto ausgezahlt. Heißt: Wir zahlen quasi doppelt. Den Urlaub selbst UND den Ausfall, den wir haben wenn wir nicht am Schreibtisch sind.

Das soll hier aber nicht zum Klagelied werden. Ganz und gar nicht. Denn ich plädiere sogar für mehr Urlaub und Auszeiten als Selbstständiger.

Wenn ich eins gelernt habe… ich würde sagen, insbesondere im letzten Jahr… dann, dass ich Auszeiten brauche.

Wir Kreativen stehen ständig unter Strom. Wir haben ständig neue Ideen, die wir am Besten sofort umsetzen wollen. Oder? Kennst du das?

Also, ich habe gerade mindestens fünf Projektideen für mein Mentoring/ Social Media Marketing, die hier ganz fett und rot auf der To Do Liste stehen. Aber hab ich da Zeit für? Nee! Nicht für alles auf einmal. Und da geht der Teufelskreis schon los:

Wir haben zu viele Ideen/ zu viele Projekte parallel laufen und zu wenig Zeit. Heißt, wir nehmen uns lieber keine Auszeit, damit wir wenigstens einen kleinen Teil von der ach-so-wichtigen-To-Do-Liste schaffen.

Das Ende vom Lied? Wir arbeiten rund um die Uhr. Schlafen zu wenig, trinken zu wenig, sitzen zu viel.
Rate mal: Es ist gerade Sonntagabend, 23 Uhr und ich schreibe diesen Blogpost. Ich bin ein Parade-Beispiel 😉

Ich merke aber auch immer wieder rechtzeitig, wenn es zu viel wird. Letzten Herbst sind wir nach Workshop, Buchmesse und Leiten meines 9-wöchigen Onlinekurses für vier Tage spontan in die Berge. Auszeit. Kopf frei kriegen. Bergluft schnuppern. Danach war alles wieder super. Mir wurde in der kurzen Zeit sofort klar, was ich in meinen Abläufen ändern muss, damit es entspannter zugeht.
Ich – wir alle – brauchen Auszeiten, um kreativ zu bleiben. Denn wenn wir nicht mehr richtig funktionieren, müde sind, werden wir langsamer und unzufrieden. Und dann schaffen wir noch weniger.

Ein paar Tipps, wie du mehr Auszeiten für dich frei schaufelst
  1. Wochenend-Trips eignen sich prima, um den Kopf frei zu bekommen. Und wenn es nur drei Dörfer weitergeht. Hauptsache mal raus.
  2. Auszeit von App-Benachrichtigungen.
    Schalte sie aus! Meine Güte hat mich das befreit. Ist das nicht Banane? Ich LIEBE mein Smartphone. Denn ich liebe Social Media. Aber muss ich wirklich in der Sekunde, in der mich eine E-Mail erreicht eine Benachrichtigung bekommen? Am Besten noch mit Piepton? Das unterbricht einem immer. Egal was man gerade macht. Es gab eine Zeit, da haben mich diese roten App-Benachrichtigungs-Lämpchen im Sekunden-Takt angeblinkt. Ich hätte mein Handy gegen die Wand donnern können. Alles ausgestellt. Jetzt guckt ich nach, wann ICH will. Jetzt hab ich auch mein Handy wieder lieb.
  3. Auszeit mit Sport! Wir sitzen alle viel zu viel herum. Und ganz ehrlich, wenn wir nicht funktionieren, gerade als Selbstständige, dann geht das komplette Business den Bach runter.
    Also: Hintern hoch. Treppen steigen, Auto mal stehen lassen und laufen. Ins Fitness-Studio gehen oder sonst was. Ich habe mich erst letzte Woche (als totaler Sport-Muffel) angemeldet und bin SO froh. Es tut so gut. Außerdem ist es mal etwas nur für mich. Keine Kinder. Keine Arbeit.
  4. Wenn du im Urlaub bist, kannst du eine automatische E-Mail-Antwort einrichten, in der du automatisch alle die dich anschreiben wissen lässt, dass du gerade im Urlaub bist und dich meldest, wenn du zurück bist.ODER: Du lässt die automatische Antwort, überfliegst einmal am Tag die Mails und antwortest kurz auf wichtige Dinge oder markierst dir, was du nicht übersehen darfst. So mache ich es. Sonst sitze ich nach dem Urlaub erstmal zwei Stunden um E-Mails nach Projekt-Anfragen und derlei Dinge zu durchforsten.
    Aber das ist Geschmacksache.
  5. Wenn du ein paar Tage weg bist, bereite deine Social Media Posts vorab vor, so dass sie automatisch gepostet werden. Tools wie Hootsuite, Buffer, Tailwind (Affiliate Link) und Planoly, um nur ein paar wenige zu nennen, machen es möglich.
    Oder aber du verzichtest komplett auf posten, während du im Urlaub bist. Klar, die Reichweite geht dann mal für die Zeit flöten, aber es wird dich keiner vergessen. Dann steigst du wieder ein, wenn du zurück bist. Da geht die Welt auch nicht unter von.
  6. Belohne dich selbst. Nach einem abgeschlossenem Projekt oder einem tollen beruflichen Erfolg: Beschenk dich selbst.
    Das kann das Paar Schuhe sein, um das du schon so ewig herum schleichst oder eben mit einer Auszeit: z.B. ein Nachmittag in der Sonne auf einer Wiese.
    Aber mach was! Die ganze Arbeit und tollen Ergebnisse müssen belohnt werden. In der Grundschule gab es früher schließlich auch Bienchen-Stempel für toll bewältigte Diktate.
  7. Das liebe Geld: Leg dir regelmäßig etwas zur Seite. Jeden Monat kommt Summe x in ein Sparschwein. Oder als Dauerüberweisung in die Urlaubskasse. Nicht, dass du irgendwann gern spontan in Urlaub möchtest (oder wirklich musst um dich zu erholen) und dann ist kein Schotter da.
  8. Zum Thema “Outsourcen”, also Arbeit abgeben, damit du mehr Zeit für die wesentlichen Dinge hast, habe ich schon mal HIER ein Video (plus Freebie) gepostet. Arbeit abgeben ( z.B. Recherche für Illu-Projekte, Buchhaltung, Haus putzen, Rechnungen schreiben, usw.) kann unglaublich befreiend sein.

Wie sehen deine Auszeiten aus? Was machst du, damit du nicht im Hamsterrad hängen bleibst? Wie lädst du deine Batterien auf? Lass mir doch einen Kommentar da, ich freu mich von deinen Erfahrungen zu lesen!

P.S. Lust dich mit anderen Illustratoren auszutauschen? Dann schau auch mal in unserer Facebook-Gruppe „Erfolgreich. Illustrator“ vorbei. Eine tolle Community mit vielen Startern – aber auch alten Hasen – die sich unterstützen wo es nur geht. Versuche in deinem öffentlichen Profil irgendwas mit Illustration zu zeigen oder schicke mir vorab eine PN, da wir die Profile alle vor Einlass checken.