„Wieviel DARF ich denn für diese Illustration / Foto / was auch immer verlangen?”

Ähnliche Frage tauchte neulich in meiner Facebook Gruppe „Kreative Rockstars”  auf. Und genau diese Frage habe ich mir damals, als ich mich 2005 während des Kommunikationsdesign Studiums selbstständig gemacht habe auch auf. Es ist eine ganz klassische Frage. Egal in welcher Branche. Die angehende Fotografin weiß nicht was sie verlangen darf, die Grafikerin nicht und die Autorin auch nicht.

Es wird sich umgehört. Wer Glück hat, kennt jemanden, der schon weiter in diesem Bereich ist. Oooooder ist Teil der Rockstar Community. Hehe.

Ich möchte an diesem Punkt, dass du dir die Frage noch einmal genau anhörst und dann überlegst, was an der Fragestellung nicht ganz richtig ist.

„Wieviel DARF ich denn für diese Illustration verlangen?”

Keine Ahnung? Okay. Es ist das Wörtchen DARF.

Und wie gesagt, ich habe die Frage damals mit Sicherheit auf genau diese Weise gestellt. Du grübelst jetzt vielleicht warum das Wort falsch ist. Wir gehen da jetzt genauer darauf ein.

Die Links zu Folge 61:

• Facebook Gruppe „Kreative Rockstars”
• Newsletter von Johanna

Dröseln wir es auf:

„Wieviel DARF ich denn für diese Illustration verlangen? Da komme ich ja nie auf den vom Berufsverband empfohlenen Stundensatz. Das zahlt doch keiner.”

Es ging hier um eine Summe, für die erfahrene Illustratoren den Rechner erst gar nicht zum laufen bniemaringen würden. Ich glaube, es waren 200€.

Jedenfalls, hier verstecken sich sehr, sehr viele Inhalte.

Insbesondere die unbewussten Glaubenssätze.

Diese Aussage oder Frage ist eindeutig negativ belastet mit folgenden Gedanken:

„Einige Kollegen die ich kenne, bekommen nicht so viel gezahlt. Warum sollte ich also so viel bekommen?”

„Meine Arbeit macht mir Spaß. Warum sollte da jemand so „viel” für bezahlen?”

„Ich werde nie auf einen grünen Zweig kommen, wenn ich so viel Zeit für so wenig Geld bekomme.” Ergo, Illustrator werden macht keinen Sinn, denn davon kann ich nicht leben. Das typische Klischee mit Kunst kann man kein Geld verdienen.

Interessant ist auch, dass es in der einen Aussage wenig Geld ist und in der anderen Aussage viel. Gemerkt?

Es ist wenig Geld im Verhältnis zur investierten Zeit. > „Meine Arbeit macht mir Spaß. Warum sollte da jemand so „viel” für bezahlen?”

Aber viel Geld im Verhältnis zum Spaß-Faktor an der Arbeit.

> „Ich werde nie auf einen grünen Zweig kommen, wenn ich so wenig Geld bekomme für so viel investierte Zeit .”

Kommen wir zum Thema “Meine Arbeit macht mir Spaß”.

Genau so soll es sein. Nur wer an seiner Arbeit Spaß hat, wird es auch zu was bringen. Denn dann bist du auch bereit bis spät in die Nacht zu arbeiten oder früh dafür aufzustehen. Und trotzdem wird es dir nicht wie Arbeit vorkommen. Denn dein Beruf ist deine BerufUNG.

Der Glauben, dass man nur Geld bekommt, wenn es harte Arbeit ist, ist etwas dass uns von klein auf beigebracht wird. Von den Eltern die oft angestellt sind und ja, auch absolut vom Schulsystem. Wir müssen lernen um gute Noten zu bekommen. Damit wir einen tollen Abschluss machen und an die Uni können. So der Paradeweg, oder? Und danach gibt es dann einen gut bezahlten Job.

 

Totaler Käse.

Nur weil man an die Uni “darf”, heißt das noch lange nicht, dass man da mit nem tollen Job raus kommt. Wenn ich an dem was ich mache nur so halb interessiert bin, ist es Wurst ob ich auf der Uni bin oder eine Ausbildung mache. Ich habe keine Lust drauf. Und dann wird meine Arbeit mir keinen Spaß machen. Mein chef merkt das und entsprechend werde ich hier auch keine höhere Positionen oder Gehaltserhöhungen bekommen.

Natürlich kann es sein, dass ich schon immer dafür brenne wissenschaftlich an der Uni irgendwas zu studieren. Dann werde ich danach einen tollen Job bekommen und bestimmt viel Geld verdienen.

Du siehst, es liegt daran, ob es dir Spaß macht, nicht daran dass du dafür hart arbeitest oder eine bestimmt Summe an Zeit dort rein investierst.

Also, “dürfen” dir Menschen viel bezahlen, wenn dir deine Arbeit Spaß macht? Ja!! Dürfen sie dir viel zahlen wenn dir deine Arbeit leicht fällt? Jaaaa!!!

Das Ergebnis, also das was der Kunde von dir möchte, ist doch nicht schlechter, weil es dir Spaß macht. Ganz im Gegenteil, vermutlich ist es sogar besser (!). Gerade weil es dir Spaß macht.

Kommen wir zu „Ich werde nie auf einen grünen Zweig kommen, wenn ich so viel Zeit für so wenig Geld bekomme.”

Absolut richtig. Eine komplette Illustration in die du meinetwegen zwei Tage investierst, sollte nicht für 200€ angeboten werden. Das liegt aber nicht daran, dass der Kunde so wenig zahlt, sondern dass du glaubst, dass der Kunde nicht bereit ist mehr zu zahlen. Oder weil du dem Kunden nicht klar machen kannst, warum die Illustration mehr wert ist.

Wir können nicht immer die anderen beschuldigen, sondern müssen uns an die eigene Nase fassen.

Selbstbewusster auftreten. Mehr Professionalität ausstrahlen. Unser Talent auf Top Niveau bringen.

 

Niemand wird als Van Gogh geboren.

Wie gesagt, ich war am Anfang nicht anders. Aber nach nun dreizehn Jahren Erfahrung in dem Bereich sehe ich, was Kunden bereit sind zu zahlen. Und das liegt nicht daran, dass ich so lange mit dabei bin. Sondern weil ich selbstbewusster auftrete, nur noch die Jobs annehme die mich interessieren und gut bezahlt sind.

Und ich weiß, dass das am Anfang schwierig ist so aufzutreten. Und eigentlich braucht man jeden Job der um die Ecke kommt, damit man die Miete zahlen kann.

Das verrückte ist, man landet hier sowas von in einem Teufelskreis:

Du nimmst Projekte an die unterbezahlt. Für gewöhnlich hängen da Kunden dran, die deine Arbeit nicht schätzen und mit denen es schwierig sein wird zu arbeiten. Da die Projekte so unterbezahlt sind, musst du viele davon annehmen.

Und am Ende? Machst du Unmengen an unbezahlten Jobs, die dir so gerade die Miete zahlen und du bist frustriert von nervigen Kunden und ausgebrannt von zu vielen Aufträgen die parallel laufen.

Das Verrückte ist, dass wir uns eigentlich so verhalten müssen, als wären wir bereits da wo wir hin wollen.

Lieber wenige, dafür gut bezahlte Aufträge. Kunden die uns und unsere Arbeit schätzen. Die Miete ist kein Problem mehr und du hast parallel sogar noch Zeit eigene Projekte auf die Beine zu stellen, die wiederum neue Kunden und Bargeld anlocken, weil du sie Endkunden direkt anbietest.

 

Irgendwann wirst du deine Denkweise hier einfach umstellen müssen.

Bei mir hat es Klick gemacht, als Kunden teils etwas forsch wurden, ich zig Korrekturen machte und dabei war ein Projekt nach dem anderen ab zu ackern.

Ich begann mir die besseren oder für mich interessanteren Anfragen raus zu picken und siehe da, das ganze Blatt wandelte sich.

Hätte ich damals gewusst, was Firmen nach ein wenig verhandeln tatsächlich bereit sind zu zahlen, hätte ich das viel früher gemacht.

Ich weiß, vermutlich muss da jeder durch. Das ist, als würde ich dir hier eine Anleitung zum schwimmen geben. Da reicht die Theorie auch nicht. Am Ende musst du ins Wasser. Aber wenn du es mal gehört hast, dann erinnerst du dich vielleicht bei der nächsten völlig überzogenen Anfrage an meine Worte. Überlege dir, ob dieser Auftrag all die NErven und Zeit wert sein wird.

Weißt du was ich noch gemacht hatte? Und ich glaube, dass ist ein guter Einstieg in Sachen richtig verhandeln…

Bei den Anfragen, auf die ich so gaaaar keine Lust hatte, da bin ich mit dem Preis so hoch gegangen, dass ich mich normalerweise nicht trauen würde, die Email abzuschicken. Wenn ich den Job schon mache, dann brauche ich “Schmerzensgeld”. Haha.

Und rate.

In Schätzungsweise Acht von Zehn fällen sagten die Kunden zu. Das waren für mich die Momente wo mir klar wurde: Es ist immer ein Vielfaches drin von dem, was zu Beginn an Geld auf den Tisch gelegt wird.

Der dritte Glaubenssatz der in dieser Frage stand war: „Einige Kollegen die ich kenne, bekommen nicht so viel gezahlt. Warum sollte ich also so viel bekommen?”

Lass mich hier gleich aufräumen. Nur weil jemand anderes aus dem Fenster springt, springen wir nicht hinterher.

Nur weil anderer nicht Summe X bezahlt bekommen hat, heißt es nicht, dass es bei dir auch so sein wird.

Gab es nur eine Person, die Summe X bekommen hat, kann es bei dir auch so sein. Und selbst nicht, vielleicht wärst du die Erste?

 

Hier kommen wir auch wieder zu dem Thema: Wie sieht dein Umfeld aus?

Im Bereich Beruf ist es so wichtig, sich mit Menschen zu umgeben, die schon da sind wo du hin willst. Denn nur sie sind deinen Weg schon gegangen. Nur sie wissen, in dem Fall, was gezahlt wird und was nicht.

Wir haben so oft so viele Besserwisser um uns herum, die meinen “so eine Summe wird nicht gezahlt.” oder “Lerne lieber etwas Vernünftiges und lass dich in einem Unternehmen anstellen. Mein Schwager ist gerade mit der Selbstständigkeit gescheitert.”

Ist dir schon mal aufgefallen dass es immer Menschen sind, die deinen Weg nicht nicht gegangen sind, die solche Aussagen treffen? Warum sollten wir auf Ratschläge von Menschen hören, die keine Ahnung haben wovon sie reden?

Deshalb: Netzwerke was das Zeug hält. Suche die Kollegen die weiter sind als du. Besuche Seminare. Such dir einen Mentor dem du nacheifern und von dessen Handeln du lernen kannst. Es ist so wichtig um zu wachsen. Um mutig zu sein, statt sich klein zu halten.

Kommen wir am Ende noch einmal zurück zur Ausgangsfrage: „Wie viel darf ich dafür verlangen?”

Erkennst du nach dem einstürzen der drei darin versteckten Glaubenssätze (und vielleicht fallen dir ja sogar noch mehr ein), dass dieses “darf” in der Frage nichts, aber auch rein gar nichts zu suchen hat?

DU bestimmst wie hoch dein Preis ist. Und wenn der Kunde es am Ende nicht zahlt, dann sei froh. Du hast dir Unmengen an Arbeit, Nerven und Zeit gespart.

Erkennt er deinen Wert (und ich setze jetzt mal voraus, dass diejenige dann einfach tierisch gut zeichnen/ fotografieren, lettern, was auch immer kann), dann wird es eine tolle Zusammenarbeit und er wird die Summe bezahlen.

Also, ich weiß, hier wurde heute mal ein bisschen Tacheles geredet. Aber es bringt ja auch nichts, wenn ich hier nur Heitschibumbeitschi mache.

So viele Kreative können von ihrem Talent nicht leben. Das liegt aber nicht daran, dass ihr Talent nicht ausreicht oder weil der Kunde nicht so viel zahlen will oder sonst was. Es sind nicht die anderen Schuld. Wir selber sind, die sich allzu gerne herum schubsen lassen. Auf Bezahlungen eingehen die viel zu niedrig sind, weil uns die Arbeit ja so viel Spaß macht.

Wenn ihr von eurem Talent leben wollt, müsst ihr unternehmerisch denken. Sonst bleibt es ein Leben lang ein Hobby.

In diesem Sinne. Baut euer Talent aus, werdet immer besser darin. Aber, bitte, macht euch auch in Sachen Marketing, Persönlichkeitsentwicklung, Finanzen, Buchhaltung und allem was sonst noch so zu einem Unternehmen gehört schlau. Nur so wird die Selbstständigkeit dann auch wirklich rocken.

Okay, das war’s. Ich mach mal einen Mic-Drop. Haha.

 

Wenn dir die Folge gefallen hat und du etwas für dich an Erkentnissen mitnehmen konntest, dann würde ich mich riesig über eine liebe Bewertung auf iTunes freuen. Du hilfst mir auf diese Weise, gibst also etwas zurück, damit der Podcast dort im Ranking steigt und somit noch mehr Kreative Rockstars ihren ganz eigenen Weg machen.

Dafür schon mal Danke.

Außerdem: Der August steht vor der Tür.

Heißt, Sommerferien!! Yaaaay! Und alle springen in den Pool.

Keine Sorge, hier wird keine Pause gemacht, aber ich dachte mir, wir machen mal einen auf Summer School. Die vier Folgen im August, die werden also ein wenig anders.

Ich habe sie live aufgenommen via Webinar. Es war natürlich kostenlos und auf hundert Teilnehmer begrenzt. Der Link ging an alle meine Newsletter Abonennten heraus. Anmelden kannst du dich übrigens hier – falls du die nächsten Aktionen nicht verpassen magst.

Ja, was habe ich auf dem Webinar gemacht? Zuerst habe ich ein bisschen was erzählt und dann gab es ein Live Tutorial zu den Programmen die ich so im Alltag nutze. Wenn du nicht dabei warst, wie gesagt, das Ganze lief schon, kommt aber jetzt im August wie immer jeden Dienstag auf den Podcast. Inklusive Video dann im Blog und auf You Tube.

Ich freu mich schon drauf. Und bist du in den Ferien, dann wünsche ich dr einfach schon jetzt eine wunderbare Zeit.

Bis dann,

Johanna

Warum dein Kunde nicht die Summe zahlt, die du gerne hättest. Denn die Schuld liegt nicht immer beim Kunden: Soviel kannst du für deine Arbeit verlangen!
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Bist du dabei?

Warum dein Kunde nicht die Summe zahlt, die du gerne hättest. Denn die Schuld liegt nicht immer beim Kunden. Soviel kannst du für deine Arbeit verlangen!