Zu allererst: Warum eigentlich Nutzungsrechte?

Weil Illustratoren so ihr Geld verdienen.

Würde ich mir nur die Arbeitszeit berechnen lasse, könnte ich nicht überleben. Oder ich müsste einen wirklich wahnsinnig hohen Stundensatz haben 😉

An dieser Stelle können wir einen kleinen Ausflug ins Urheberrecht machen: Jeder selbstständige Illustrator ist ein Urheber seiner Werke, d.h. er verkauft nicht sein Produkt oder eine reine Dienstleistung. Er bleibt Urheber seiner Werke und räumt einem möglichen Auftraggeber nur das Nutzungsrecht daran ein. Der Kunde besitzt die Illu also nicht, sondern darf sie nur nutzen.

Und was genau sind jetzt eigentlich diese Nutzungsrechte?

Sie werden unterteilt in vier Bereiche: einfache/ ausschließliche Nutzung, räumliche Nutzung, zeitliche Nutzung und inhaltliche Nutzung.

Schauen wir uns die Nutzungsrechte doch mal genauer im Detail an:

Die einfache oder ausschließliche Nutzung

Hier geht es tatsächlich darum, welche Rechte an deiner Illustration an den Kunden gehen bzw. bei dir verbleiben. Bei der „einfachen Nutzung“ hast du als Illustrator das Recht deine Illustrationen auch weiter zu nutzen und auch weiteren Kunden die Rechte daran einzuräumen. Der Auftraggeber darf sie nur auf die vertraglich festgesetzte Art nutzen und kann auch nix dagegen sagen, wenn du deine Illu noch anderweitig nutzt.
Während bei der „ausschließlichen Nutzung“ die Nutzungsrechte komplett an den Auftraggeber gehen, d.h. er ist als Einziger nutzungsberechtigt und kann die Illustration exklusiv nutzen.

Als kleiner Tipp: Halte in jedem Fall vertraglich fest, dass du als Illustrator das Recht hast, deine Illu (nach Veröffentlichung) zu Werbezwecken zu nutzen. Dann kannst du sie z.B. auf deiner Webseite, in deinem Portfolio etc. nutzen.

Das räumliche Nutzungsrecht

Hier muss sich der Auftraggeber entscheiden in welchem räumlichen Umfang er die Illustration nutzen möchte.
Es geht um regional oder national oder europaweit oder eben weltweit.
Als Beispiel: Für den Bäcker um die Ecke macht es wahrscheinlich wenig Sinn das weltweite Nutzungsrecht zu erwerben, hier reicht vermutlich schon das regionale. Während ein Verlag, der ein Kinderbuch mit deinen Illustrationen veröffentlichen und (im besten Fall) in mehrere Sprachen für unterschiedliche Länder übersetzen möchte, eher das weltweite Nutzungsrecht braucht.

Das zeitliche Nutzungsrecht

Es wird vertraglich festgehalten, wie lange der Auftraggeber die Illustration verwenden darf.
Das ist eine Sache zwischen dir und deinem Kunden. Als Beispiel: Möchte er die Illustration nur in einer einzigen Ausgabe einer Zeitschrift abdrucken oder möchte er sie ein ganzes Jahr dafür nutzen? Oder vielleicht unbeschränkt die nächsten Jahre?

Das inhaltliche Nutzungsrecht

In welchen Medien will der Auftraggeber die Illu verbreiten? Hier lässt es sich ganz spezifisch für ein einziges Medium beschränken oder die Nutzung bis zu „auf alle  Medien“ freigeben.

Die Basis für die Berechnung der finalen Vergütung einer Illustration ist immer erstmal die Arbeitszeit. Also Stundenlohn mal wie viele Stunden du an der Illustration arbeitest. Das ergibt Summe x.

Und darauf basieren dann die Nutzungsrechte. Es gibt bestimmte Faktoren, die ich dir hier unten in einem Freebie als Download zur Verfügung stelle. Ebenso enthalten ist ein Vergütungsbeispiel, so dass du es gleich in der Anwendung siehst.

Was jetzt nach dem Freebie vielleicht einleuchtet: Je mehr Nutzungsrechte der Kunde haben möchte, desto teurer wird die Geschichte.

Eventuell sollte sich der Kunde auch überlegen, ob er wirklich alle Rechte braucht, die er so haben möchte.
Braucht er tatsächlich das ausschließliche, globale Nutzungsrecht für immer und überall? Wenn ja, dann muss er eben dementsprechend bezahlen. Oft wird am Anfang erstmal alles gewollt. Dann ist das Angebot zu teuer und man kann den Kunden darauf hinweisen, dass er eventuell doch keine globale Nutzung braucht: dann wird es ja günstiger. Oft kann man sich so in deR Mitte finden.

Dann gibt es noch die Kunden, gerade im Privatbereich, die von Nutzungsrechten noch nie gehört haben. – Die gilt es aufzuklären. Um dir und deinem Auftraggeber Ärger zu ersparen, solltest du sicherstellen, dass dein Kunde auch wirklich versteht welche Rechte er an deinem Werk hat. Auch um zu verhindern, dass er deine Illustration am Ende anders nutzt, als vereinbart. Am besten nennst du die Nutzungsrechte noch einmal auf der Rechnung (wenn kein Vertrag vorhanden ist). Dann bist du auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Ich bin gespannt, erzähl mal: Was sind deine Erfahrungen mit Nutzungsrechten? Sind sie für dich selbstverständlich oder eher noch ein Buch mit sieben Siegeln?

P.S. Lust dich mit anderen Illustratoren auszutauschen? Dann schau auch mal in unserer Facebook-Gruppe „Erfolgreich. Illustrator“ vorbei. Eine tolle Community mit vielen Startern – aber auch alten Hasen – die sich unterstützen wo es nur geht. Versuche in deinem öffentlichen Profil irgendwas mit Illustration zu zeigen oder schicke mir vorab eine PN, da wir die Profile alle vor Einlass checken.

8 thoughts on “Nutzungsrechte für Illustratoren

    1. Comment author Johanna,

      Huhu Tanja,

      also, entweder auf den gelben Button klicken, Pop Up mit Email und Namen ausfüllen: dann kommt das PDF in die Inbox geflattert. Oder, wenn du schon auf meinem Newsletter bist, kannst du auch einfach in die Freebie-Bibliothek gehen. Dort liegt es auch schon und wartet auf Downloads 😉

      Lass mich wissen, wenn ich dir noch irgendwie helfen kann :*
      LG, Johanna

  1. Rebekka,

    Hallo Johanna,
    ich hatte mich in letzter Zeit bereits in das Thema eingelesen und du hast das Ganze jetzt noch komplettiert. Vielen Dank!
    Ich habe früher eher selbstgemachte Sachen verkauft und irgendwie bin ich dann auf die Illustratorenschiene geraten und hab mir da Preise „ausgedacht“. Unterm Strich war das immer ne Menge Arbeit für, nun seien wir ehrlich, wenig Geld. Deshalb musste ich jetzt umdenken. Irgendwie habe ich damit ja auch ungewollt Lohndumping betrieben. Herrje. Manche Sachen sollte man besser gleich von vornherein richtig angehen. Jetzt muss ich mal schauen wie mein Kundenstamm mit der Preiserhöhung umgeht.
    Nochmal vielen Dank! (Dein Dienstagslernen ist immer sehr aufschlussreich)
    Liebe Grüße, Rebekka

  2. Daniela,

    Hallo Johanna, vielen Dank für das Rechenbeispiel.Gilt der Stundensatz und die Faktoren nur für hauptberufliche und langjährige Illustratoren wie DU? Ich betreibe das Zeichnen eigentlich eher als Hobby. Gerne würde ich damit jedoch etwas Taschengeld verdienen und Nutzungsrechte einräumen. Als Anfänger kann ich dann doch keine 1000 Euro für das Nutzungsrecht (wie im Beispiel) verlangen, oder. Liebe Grüße Dani

    1. Comment author Johanna,

      Hallo Dani,

      natürlich gilt das für alle. Den Kunden muss es doch nicht interessieren wie lange du bereits im Geschäft bist. Das Endergebnis zählt. Wenn es das ist was der Kunde haben möchte, dann hast du das volle Recht das entsprechend vergütet zu bekommen. Sonst machen wir uns alle nur gegenseitig die Preise kaputt.

      Liebe Grüße,
      Johanna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.